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„Last Christmas“ … oder doch „Alle Jahre wieder“ … geraten Unternehmen in Panik. Die Jahresendhektik breitet sich wie eine Epidemie aus. Manche Dinge sind termingetrieben, weil es um Jahresabschlüsse geht. Das ist nachvollziehbar. Andere Formen von Hektik scheinen reiner Aktionismus zu sein. Womöglich schon aus Gewohnheit, weil es jedes Jahr so ist? Und das immer schon so gemacht wurde? Erst recht eine Aussage, die ich nicht so einfach gelten lasse.

Jahresendhektik

Im letzten Quartal des Jahres geht es wahrscheinlich in fast allen Unternehmen darum, das laufende Geschäftsjahr positiv abzuschließen. Ab Dezember spätestens nimmt der Jahresendirrsinn exponentiell zu.

Zum Jahresende soll noch möglichst viel Umsatz gemacht werden. Alle Projekte sollen abgeschlossen sein. Auch die ganz frischen, die in den letzten drei Wochen des Jahres noch angezettelt wurden.

Und in der ganzen Hektik, das Jahr ordentlich zu beenden, wird schon parallel am neuen Jahr gearbeitet. Ziele definiert. Budgets aufgestellt.

Und die Besinnlichkeit? Geht flöten. Da hilft auch kein Lebkuchen oder der geschmückte Weihnachtsbaum am Empfang.

Vorweihnachtszeit in Unternehmen scheint zum ultimativen Besinnlichkeitskiller geworden zu sein.

Idealbild der besinnlichen Weihnacht

Oder ist es einfach eine verzerrte Wahrnehmung und es war tatsächlich schon immer so? Vielleicht idealisieren wir das Bild der besinnlichen Weihnacht und jagen einem Ideal nach, das unrealistisch ist? Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, wenn ich den Fernseher einschalte oder Zeitschriften durchblättere.

Weihnachten wird mir dann präsentiert als DAS Fest der Familie. An dem sich alle unterm Weihnachtsbaum zusammen finden, alle Konflikte vergessen sind und nur noch Liebe die Welt durchströmt.

Wieder mal ist es Edeka mit dem Spot von Jung und Matt, die dieses Thema aufgreifen:

 

Damit so glückliche Weihnachten gelingen, ist noch zu viel zu tun und zu kaufen. Getrieben von diesen Heile-Welt-Spots und Bildern entstehen Erwartungen, die wir anscheinend erfüllen müssen, um diesen sooooo wichtigen Tag des Jahres auch angemessen feiern zu können. Mindestens noch 10 Kekssorten backen. Für das 8-gängige Weihnachtsmenü alles testkochen. Noch schnell 12 kg abnehmen, damit das Festkleid wieder passt. Der perfekte Baum muss her und die Weihnachtsdeko aus dem Vorjahr kann man niemandem ein zweites Jahr zumuten. Außerdem gibt es noch Einladungen zu 17 Weihnachtsfeiern, die man nicht absagen kann. Die Weihnachtsmärkte im Umkreis von 100 km gehören auch zum Pflichtprogramm.

Im Laufe der Adventszeit nimmt der Druck noch zu. Alles Mögliche gibt es noch „last minute“. Die Werbung in Fernsehen und Radio macht uns klar, dass wir noch eine letzte Chance haben, wahre Wunder zu bewirken.

Ja, natürlich übertreibe ich. Ich habe den Eindruck, dass uns „Frohe Weihnachten“ vorgegaukelt wird und wir uns davon unter Druck setzen lassen.

Das soll jetzt nicht eine Früher-war-alles-besser-Aussage sein. Für mich war Weihnachten früher immer schön. Auch wenn der Schmuck für den Weihnachtsbaum jedes Jahr derselbe war. Oder meine Oma nur eine Sorte Kekse gebacken hat.

Früher war mehr Lametta! 😉

Adventsrealität in Unternehmen

Nun sind wir im Konflikt zwischen einer schnellen Arbeitswelt, die zum Jahresende nochmal massiv angekurbelt wird – und dem Bild der besinnlichen Adventszeit und dem besten Weihnachten unseres Lebens. Daraus entstehen dann Versuche, den „Geist der Weihnacht“ ins Büro zu holen.

Weihnachtsdekoration

Ich sage es gleich vorweg. Bei mir zuhause ist spärlich dekoriert. Und in meinem Personalerbüro gibt es gar keine Weihnachtsdeko. Eine liebe Kollegin hat mir einen Adventskalender geschenkt. Das ist meine Adventsdeko.

Adventskalender

In anderen Büros sieht es weihnachtlicher aus. Das finde ich auch ok. Ist auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Inakzeptabel sind für mich blinkende Fenstersterne im Büro.

Vielen Menschen scheint es wichtig zu sein, auch den Arbeitsplatz weihnachtlich zu dekorieren. Diese Fotostrecke gibt ein paar Beispiele. 

Wichteln

Uff. Ein ganz eigenes Thema. Das ich nicht so mag. Schon in der Schule nicht. Für eine Person, die ich womöglich nicht besonders gut kenne, ein Überraschungsgeschenk kaufen. Dafür fehlt in der ganzen Hektik doch eh die Zeit, sich Gedanken über Geschenke zu machen.

Geschenke

Ich habe gehört, dass es Unternehmen gibt, in denen sich die Kollegen gegenseitig beschenken. Das habe ich in der Praxis nie erlebt. Ob der Chef dann auch ein Geschenk bekommt? Oder gibt es Geschenke vom Chef?

Bei Geschenken für Kunden und Lieferanten taucht immer die Compliance-Frage auf. Also bleibt es dann meistens bei der Weihnachtskarte, oder?

Und dann noch die Weihnachtsfeier.

Irgendwie eine Pflichtveranstaltung. Wer absagt, wird argwöhnisch beobachtet. Was ist da los? Meuterei? Und einige sagen abteilungsweise ab, weil sie das Gefühl haben, damit ein Zeichen zu setzen.

Während der Weihnachtsfeier redet der Chef seine Weihnachtsrede. Er berichtet vielleicht, wie das Jahr gelaufen ist. Spricht davon, dass alle in einem Boot sitzen und wenn jeder mitrudert, dass Dinge funktionieren. Alle Jahre wieder.

In über 25 Jahren Arbeitsleben konnte ich beobachten, dass Weihnachtsfeiern einem geheimen Muster folgen. Ich könnte eine Typologie der Weihnachtsfeiernden daraus erstellen. Hm, vielleicht eine Idee für den nächsten Weihnachtsartikel.

Büro-Adventszeit entschleunigen

Es breitet sich in vielen Unternehmen eine Stimmung aus, als sei mit dem Start in den Weihnachtsurlaub das finale Ende erreicht. „Schuften als gäbe es kein morgen“, hat mir kürzlich jemand gesagt.

Hm. Kopfkino. Wenn der bevorstehende letzte Tag des Lebens, also der 23. Dezember, wirklich das Aus bedeuten würde… Da frage ich mich, warum die Menschen dann nicht in der Tat so leben, als sei es der letzte Tag. Wie viel entspannter wäre das!

Oder als Alternative: Daran denken, dass sich die Welt mit großer Wahrscheinlichkeit auch nach dem 24. Dezember weiter dreht. Und es dann sogar nur knapp eine Woche danach ein „Neujahr“ gibt. Wie tröstlich, oder?

Jetzt ein paar konkrete Tipps, wie der Vorweihnachtsstress auf (bzw. in) der Arbeit eingedämmt werden kann und wir die Adventszeit gut überleben.

Priorisieren

Mal wieder einen Blick auf die Eisenhower-Matrix werfen und entscheiden, was nun wirklich noch wichtig ist. Ganz wertvoll ist es auch, sich eine Not-to-do-Liste zu erstellen. Wirkt Wunder, wenn sie auf dem Schreibtisch liegt.

Nein sagen

Das ist nicht immer so einfach, wie es klingt. Und mit jedem Nein, wird es leichter. Gerade uns Personalern werden immer wieder Themen aufgetischt, die nicht in unserem Verantwortungsbereich liegen. Aber im weitesten Sinne hat im Unternehmen bestimmt alles mit den Mitarbeitern zu tun. Also, gut hinschauen, ob die Aufgaben wirklich in Deiner Verantwortung liegen.

Wie häufig sitzt Du in Besprechungen, die für Dich nicht relevant sind? Oder kein Ergebnis bringen? Sobald sich ein Termin wie Zeitverschwendung anfühlt, sprich es doch an. Und vereinbare einen neuen Termin, zu dem alle vorbereitet erscheinen.

Aufgaben neu terminieren

Der Arbeitsalltag ist hoch dynamisch. Ich stelle oft fest, dass meine Tagesplanung nie zu 100% umzusetzen ist. Ad hoc Themen gewinnen an Priorität, der Einsatz als interne Feuerwehr verändert die Zeitplanung.

Trotzdem gibt es da ja noch die vorhandenen Aufgaben. Hab einen Blick darauf, dass Du ihnen neue Erledigungstermine gibst. Und wie schon erwähnt, ich denke, dass sich die Welt auch im nächsten Jahr noch dreht.

Digital entgiften

Auch wenn es schwer fällt: die Online-Zeiten reduzieren. Die E-mails nur noch zu bestimmten Zeiten am Tag checken und in der Zwischenzeit das E-mail-Programm schließen. Die Ablenkungen werden reduziert und Du kannst konzentrierter an Deinen Aufgaben arbeiten.

Innehalten

Das braucht nicht einmal viel Zeit. Einfach drei Minuten in aller Ruhe sitzen und auf den eigenen Atem achten. Das geht im Großbüro nicht? Dann sei ganz pragmatisch: auf der Toilette wird es gehen. 😉

Sorg in der Mittagspause für frische. 10 Minuten nach draußen gehen. Durchlüften. Auch den Kopf.

Von der Bildfläche verschwinden

Zumindest für definierte Zeiten. Wer die Möglichkeit hat, tageweise im Homeoffice zu arbeiten, kann das für ungestörtes Arbeiten nutzen. Vielleicht ist es für Dich ja auch ein Arbeitsausflug in einen Coworking-Space eine produktive Lösung.

Termine verschieben – das neue Jahr feiern

Eine schöne Idee des Unternehmensberaters und früheren Benediktinermönch Anselm Bilgri: Die Hektik aus dem Advent nehmen und die Unternehmensfeier zu Beginn des neuen Jahres machen. 

 

Auf der Seite von klitzekleinedinge.de … habe ich einen schönen Achtsamkeitskalender zum kostenlosen Download gefunden. Mit Klick auf diesen Link kommst Du direkt zur Seite, wo Du den Kalender herunterladen kannst.

 

Ich gebe zu, dass ich selbst leider auch nicht ganz von der Jahresendhektik verschont bleibe. An einigen Stellen bin ich vielleicht sogar dafür verantwortlich? Selbsterkenntnis ist ja angeblich der erste Schritt zur Besserung. 😉 Und immer ein guter Ansatz, um entspannt zu bleiben: nimm es mit Humor.

In diesem Sinne noch eine kleine Erinnerung, worum es denn an Weihnachten geht:


Ich wünsche Dir, dass Du Dich der Jahresendhektik erfolgreich entziehen kannst.

Eine gute Zeit, bis demnächst.
Silke