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„Nur im Theater gibt es so etwas wie die ideale Fehlbesetzung.“

Sir Peter Ustinov legte seinerzeit mit diesem Zitat ungewollt den Finger dorthin, wo es noch heute weh tut. Der passende Mitarbeiter auf dem falschen Posten oder vielleicht doch die vollkommen falsche Personalie?

Fehleinstellungen kosten – und zwar nicht nur Ihre Zeit

Der Vertrag ist unterschrieben, der neue Mitarbeiter tritt zügig seine Stelle an, um die belastende Vakanz zu besetzen. In der Alltagskultur Ihres Unternehmens angekommen stellt sich dann heraus: Die Notlösung ist weit entfernt von der Idealbesetzung. Also alles zurück auf Start und die Fühler nach einem geeigneteren Mitarbeiter ausstrecken.

Das erneute Anstoßen eines Recruitingprozesses ist selbstverständlich mit direkten Folgekosten behaftet. Stellenanzeigen in Digital- und Printmedien, das Binden der hauseigenen Personaler oder sogar vielleicht das Heranziehen eines externen Experten verschlingen bis zu vierstellige Beträge.

Dabei sind die Kosten für Schulung, Einarbeitung und die unterdurchschnittliche Leistung des Mitarbeiters noch nicht einmal berücksichtigt.

Im Zuge einer jüngst durchgeführten Umfragestudie gaben zwei Drittel der Unternehmen an, einen personellen Fehlgriff getätigt zu haben, der Sie im letzten Geschäftsjahr mindestens 25.000$, wenn nicht gar mehr als 50.000$ gekostet hätte.

Personalauswahl unter Druck

Aber wie kann es auch im Zeitalter von Personalagenturen, Mitarbeiterakademien und HR-Spezialisten immer noch zu einer derart hohen Zahl kritischer Fehleinstellungen kommen?
Erfahrungsgemäß leidet die Personalauswahl immer wieder unter einem der folgenden Störfaktoren:

  • Entscheidungsdruck: Ein Mitarbeiter fällt langfristig aus, hat das Unternehmen verlassen oder muss aufgrund anderer Umstände ersetzt werden – und das zügig!
  • Prestigedenken: Ein Bewerber sticht aufgrund seiner Qualifikation oder Vorgeschichte aus dem Pool hervor – glasklar der neue Starspieler Ihres Unternehmens!
  • Willensentscheidungen: Die vordiktierte Personalentscheidung aufgrund von Inhaber und Geschäftsführer trumpft über personellen Sachverstand – das zahlt sich eines Tages aus!

Jeder Faktor für sich birgt genug Potential, um auch den solidesten Recruitingprozess scheitern zu lassen. Treffen zwei, oder Gott bewahre alle drei zu, so können Sie als Personalverantwortlicher bereits mit der Planung einer Nachfolgelösung beginnen.

Der Mut zur Lücke

Eine Vielzahl von Personalentscheidungen werden unter Druck getroffen. Fehlende Personalstunden werden in der Übergangsphase von den Kollegen kompensiert, die natürlich unter der gefühlten Mehrbelastung leiden. Trotzdem gilt es, gerade in dieser Situation, die Ruhe zu bewahren. Das Ausscheiden eines Mitarbeiters, selbst wenn es überraschend und ungeplant geschehen sollte, bietet Ihnen die Möglichkeit zu einer personellen Neuausrichtung. Nicht selten werden Posten und Planstellen neu besetzt, die unter dem Gesichtspunkt der Personalauslastung schlichtweg überflüssig geworden sind. Fortschreitende Modernisierungen, insbesondere spezialisierte IT- und Softwarelösungen, lassen den Bedarf an FTEs schon seit langer Zeit kontinuierlich sinken.

Vertrauen Sie auf die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter, die entstandene Vakanz zu überbrücken. Diese sind zumeist viel leistungsfähiger als sie sich selber zutrauen. Nutzen Sie die Zeit für eine fundierte Personalauswahl, aber behalten Sie das Team im Auge. Vielleicht verfügen Sie bereits vor Ort über die ideale Personalressource, die mit einem Bruchteil an Aufwand zur idealen Besetzung gemacht werden kann.

Der neue Stern am Unternehmenshimmel

Für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Unternehmens gönnen Sie sich das Beste. Sicher, warum einen Kreisligisten verpflichten, wo doch ein internationaler Profi an Ihre Türe klopft?

Eine Konzentration auf Qualifikationen in Form von Abschlüssen und Zertifikaten führt im Handumdrehen zu einem gefährlichen Scheuklappenblick. Der Trend zum Zettel hat aktuell ein seltsames Ausmaß erreicht. Die nahezu endlose Bandbreite an Zertifikaten und Zeugnissen ist gerade für Branchenfremde schwer zu durchschauen.

Aber selbst bei eindeutiger (Über)Qualifikation für eine Stelle, kann Bewerber immer noch eine schlechte Wahl sein. Je nach individueller Veranlagung, die es zu ergründen gilt, benötigen Ihre New Hires persönliche Perspektiven. Egal, ob es ein Erklimmen der Karriereleiter, Autonomie am Arbeitsplatz oder eine familienfreundliche Arbeitsumgebung ist: Ihr neuer Mitarbeiter kann seine Leistung nur dann erbringen, wenn die Rahmenbedingungen erfüllt werden.

Behalten Sie stets im Blick, was Ihr Unternehmen zu leisten in der Lage ist – oder Sie befinden sich schon bald wieder in der Vorbereitung für ein neuerliches Personalauswahlverfahren.

Der königliche Erlass

Stellen Sie sich vor: Sie haben bereits aus einer Vielzahl eingegangener Bewerbungen vorselektiert, einzelne Hintergründe recherchiert und erste Bewerbergespräche terminiert. Doch wie durch Zauberhand erscheint eine weitere Bewerbung auf Ihrem Schreibtisch. Obenauf der Vermerk „besonders interessant“ oder „unbedingt einladen“. Offensichtlicher wäre dabei nur ein verschwörerisches Augenzwinkern des Geschäftsführers.

Wenig ist für einen objektiven und strukturierten Rekrutierungsprozess so schädlich, wie der persönliche Wille der Unternehmensleitung. Während sich intensive Vettern- und Günstlingswirtschaft in der italienischen Renaissance durchaus bewehren konnte, stehen die Zeichen der Zeit heute anders. Sofern Sie nun also nicht in der Regierung eines oberitalienischen Stadtstaates tätig sind, gilt es, von derlei Empfehlungen schnell Abstand zu nehmen.

In dieser misslichen Lage die richtige Auswahl zu treffen ohne dabei Befindlichkeiten zu verletzten erfordert viel Fingerspitzengefühl. Prüfen sie den Thronanwärter objektiv und berufen sich bei einer Entscheidungsfindung auf sachlogische Argumente.

Personalinventur

Nehmen Sie sich die Zeit, um Ihr verbliebenes Team zu analysieren. Vielleicht schlummern dort Talente, derer Sie sich bisher nicht bewusst waren? Durch gezielte Förderung der vorhandenen Potentiale ist es möglich, vielversprechende Mitarbeiter zu entwickeln und perspektivisch mit neuen Aufgaben zu betreuen. Halten Sie die Augen offen!

Die Aufgabe eines erfolgreichen Personalexperten liegt nicht darin den Mitarbeiter zu finden, der die meisten Qualifikationen angehäuft hat oder den spannendsten Lebenslauf bietet. Erfolgreiche Personalgewinnung besteht darin, den Mitarbeiter zu finden, der am besten zu Ihrem Unternehmen passt – und bleibt.